Sternenkind Kilian

NEUIGKEITEN


15.Juni 2009


Heute fand noch einmal ein Gespräch mit den Kinderärzten der Kinderklinik statt, welche Kilian rund um die Uhr betreuten.
Wir gingen mit einem flauen Gefühl im Magen die Auffahrt hinauf, betraten die Klinik auf dem Weg zur Anmeldung….das selbe Gebäude, der selbe Pförtner und vor allen Dingen das selbe beklemmende Gefühl von damals, welches uns in diesem Moment beherrschte.
Die Assistenzärztin Fr. T. empfing uns und führte uns in das Besprechungszimmer, wo bereits Hans, der Seelsorger, der Kilian noch auf der Intensiv getauft hat, auf uns wartete. Das Gespräch fiel schnell auf Kilians HP und wir hatten schon nach 5 Minuten wieder Tränen in den Augen. Schnell stieß auch der Kinderarzt Dr. E. zu uns und wir nahmen alle Platz. Und obwohl das Team der Kinderklinik sicher hin und wieder solche Gespräche führen muss, war die Anspannung auch den Ärzten anzumerken.
Auch nun fiel das Gespräch, durch Dr. E., wieder auf Kilians HP und die vielen offenen Fragen, welche aus der HP hervorgehen und noch im Raum stehen. Ich erhoffte mir Antworten durch dieses Gespräch.
Dr. E. beantwortete mir alle meine Fragen sehr ausführlich.
Ursache der Infektion waren wie bisher angenommen Streptococcus pyogenes- der Scharlach-Erreger! Das Kilian jedoch auf keine der Maßnahmen reagierte, lag nicht an der Infektion selbst, sondern zum wesentlich auch an den Veränderungen und der körperlichen Umstellungen denen ein Neugeborenes durch die Geburt ausgesetzt ist. Im Mutterleib wird die Lunge des Kindes nur zu einem geringen Teil mit Blut versorgt, da das vom Herzen zur Lunge führende Blutgefäss sehr eng steht. Der Grossteil fließt über eine „kleine Umleitung“ direkt in die Aorta, welche ja der linken Herzkammer entspringt. Kilian hat vermutlich durch meinen Blutkreislauf schon die Erreger mit bekommen, was seinen Lungen im Mutterleib noch nicht viel angehabt hat. Erst nach der Geburt öffnet sich das zur Lunge führende Gefäß (Kinder schreien) und von nun an versorgt es die Lunge des Kindes vollständig mit Blut…und in Kilians Fall auch mit den Erregern!
Es ist für Neugeborene schon eine Herausforderung und große Umstellung plötzlich selbst zu atmen und dann kamen bei Kilian auch noch die Erreger hinzu, die diese Öffnung des zur Lunge führenden Blutgefäßes wieder umkehrten und es somit wieder zu einer Verengung kam.
Durch diese Verengung werden die Lunge und somit auch die gesamten anderen Organe nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt, denn in der Lunge wird das sauerstoffarme Blut erst wieder mit Sauerstoff angereichert und von dort über die Aorta ins gesamte Organsystem verteilt.
Die verabreichten Antibiotika hätten bei diesem Erreger im Allgemeinen angeschlagen, aber die Infektion war soweit voran geschritten und die Verengung des zur Lungeführenden Blutgefäßes ließ sich auch trotz verschiedener Medikamentengaben nicht in den Griff bekommen. Kilians Lunge machte nicht „auf“, was aber für die weitere Versorgung der anderen Organe wichtig gewesen wäre.
Es wurde auch die Vermutung geäußert , dass es nichts geändert hätte wenn Kilian eine Stunde früher in der Kinderklinik gewesen wäre, denn das Blutgefäß zur Lunge hat sofort nach der Geburt, kaum dass es geöffnet hat, auch schon wieder geschlossen.
Es wird des weiteren davon ausgegangen, dass ich mir die Infektion erst maximal einen Tag vor Geburt geholt habe. Die Infektion selbst war aber definitiv der Grund dafür, dass Kilian 4 Wochen zu früh geboren wurde. Meine Blutungen zu Jahresbeginn und die Erkältung, haben mit der Streptokokken-Infektion und der daraus resultierenden Frühgeburtlichkeit nichts zu tun . Denn bei Eintritt einer solchen Infektion setzen unmittelbar Geburtsbestrebungen ein.
Im Gespräch wurde auch noch mal bestätigt, dass keiner etwas dafür kann und dass auch die Geburtshelfer alles richtig gemacht haben.



Außerdem kam im Gespräch die Frage auf, ob es wirklich so klug war Kilian nach Mannheim zu verlegen, da wir als Eltern ja dadurch nicht die Möglichkeit auf einen ruhigen Abschied hatten. Diese Frage habe ich mir auch des Öfteren gestellt…und ja…wir hätten unseren Engel gern noch mal im Arm gehabt, hätte ihn gern noch einmal atmen hören, ihm über seine warme weiche babyzarte Haut streicheln wollen.

Dem trauere ich zeitweise immer noch hinterher…ABER : …ich weiß nicht, ob wir in diesem Moment die Kraft dafür gehabt hätten und ob wir uns nicht hinterher den Vorwurf gemacht hätten, nicht alle möglichen Chancen der Behandlung genutzt zu haben.
Angst vor der Zukunft müssen wir nicht haben, denn im Falle einer Folgeschwangerschaft würde man wahrscheinlich vor und unter der Geburt ein Antibiotikum geben.
Infektionen diese Art kann man sich überall holen…man kann es nicht wirklich vermeiden.


Leider bringt uns dieses Gespräch unseren Kilian nicht zurück, dennoch war mir persönlich dieses Gespräch sehr wichtig im Verarbeitungsprozess. Nun haben wir Klarheit über den gesamten Behandlungsverlauf und Kilians Entwicklung unter diesem. Und wir haben die Gewissheit dass unser Engelchen sowenig wie möglich Schmerzen hatte.

Auch wenn der Rahmen dieses Gespräches sehr tragisch war, tat es gut, wieder auf die mit unter wichtigsten Menschen im kurzen Leben unseres Sohnes Kilian zu treffen und dieses wichtige informative Gespräch geführt zu haben.
Toll fanden wir auch, dass sich alle Anwesenden dazu bereit erklärten, der Suche nach dem verschollenen U-Heft sowie dem blaue Armbändchen nachzugehen.


 

www.kilian-kobe.de